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Buch-Besprechungen
(In)komplett (Matthias Lötscher)
Mit Mut und Willenskraft
Seit seinem Sturz auf der Skisprung-Schanze sitzt der Marbacher Nachwuchssportler Matthias Lötscher im Rollstuhl. In seiner Maturaarbeit hat er diese Lebensphase beschrieben – nun ist sie als Buch erschienen.

Der Unfall ereignete sich am 17. Juni 2005 auf der «Hill-Size»-100-Meter-Schanze in Kandersteg. Matthias Lötscher, 18-jähriger Hoffnungsträger der Schweizer Nordisch-Kombinierer-Manschaft, trainierte mit der Schweizer Jugend-Nationalmannschaft Skisprung. Der Wind wehte stark, es reichte gerade noch, um z springen. Matthias Lötscher nahm sich für den letzten Sprung des Tages vor, etwas aggressiver zu springen. Nach dem Absprung drehte sich der linke Ski nach hinten, Matthias Lötscher stürzte Kopf voran auf den Boden. Er wurde ins Inselspital nach Bern geflogen, wo der Bruch des fünften und sechsten Halswirbels festgestellt wurde. Eine Operation war nicht nötig. Dann wurde er ins Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil verlegt. Dort folgte die endgültige Diagnose: Inkomplette Tetraplegie C5/C6. Ein Leben von nun an im Rollstuhl.

Harter Weg
Heute ist Matthias Lötscher 21 Jahre alt und studiert seit September 2007 Jus an der Uni Bern. Im Alltag ist er selbständig. Er kann mit einem speziell eingerichteten Auto fahren. Er kann allein vom Rollstuhl ins Bett steigen und vom Bett in den Rollstuhl, sich waschen und anziehen. Er ist nicht bei jeder Kleinigkeit auf Hilfe angewiesen. Bis es jedoch so weit war, musste er acht Monate lang im Paraplegikerzentrum Nottwil hart trainieren. Täglich Physiotherapie und Ergotherapie. Dazu die Anstrengungen für vermeintliche Kleinigkeiten. Vom Bett in den Rollstuhl zu steigen, gewaschen werden, essen, ins Bett gehen. Und immer wieder musste er sich anhören, dass er von jetzt an immer auf Hilfe angewiesen sein werde. Erfühlte sich alleingelassen mit seiner Hoffnung, einmal selbständig zu sein. Doch Matthias Lötscher wurde von seinem sportlichen Ehrgeiz angetrieben. ER wollte mehr erreichen als die Ärzte und seine Physiotherapeutin verlangten. Sein Ziel war, selbstständig zu sein. So versuchte er sich gegen den Willen der Schwestern und der Ärzte heimlich an- und auszuziehen und verärgerte die Schwestern, die ihn ertappten. ER solle nich unnötig Energie verbrauchen, die er fürs Training benötige. Doch sein Ehrgeiz macht sich bezahlt und er konnte das SPZ früher verlassen als erwartet. Am 17. Februar 2006, genau acht Monate nach dem Unfall, konnte er nach Hause zu seinen Eltern.

Zurück in der Klasse
Wieder zu Hause im Entlebuch und zurück in der Schule, der Kantonsschule Schüpfheim, konnte Matthias Lötscher wieder in seine alte Klasse eingegliedert werden. Schon länger war ihm klar, dass er den Sturz und die darauf folgende Lebenswende zum Thema seiner Maturaarbeit machen würde. Sein Philosophie- und Ethik-Lehrer Willy Duss unterstützte ihn bei dieser Arbeit massgeblich. Nach zwei bis drei Monaten war die Arbeit geschrieben. Der titel lautet «In)komplett – Reflexion einer Lebenswende». Die Arbeit daran war für ihn von unterschiedlichen Gefühlen geprägt. «Schwergefallen, darüber zu schreiben, ist es mir nicht. Doch manchmal, wenn man über etwas Bestimmtes schreibt, denkt man zurück und erinnert sich. Das kann schon etwas schmerzen», sagt Matthias Lötscher zum Entstehungsprozess, «doch es befreit sehr, wenn man diese Dinge niederschreiben kann. Man kann die ganze Sache mit Schreiben sehr gut verarbeiten.» Das «(In)komplett» im Titel, als Anspielung auf seine Behinderung, ist als Wortspiel zu verstehen, da es für ihn als inkompletten Tetraplekiker ein lebenswertes und komplettes Leben geben kann.

Vernissage
Die Maturaarbeit von Matthias Lötscher wurde vor Kurzem mit dem Luzerner Religionspreis 2007 ausgezeichnet. Mit der Vernissage am Freitag, 30. November, in Schüpfheim wurde zudem erstmals eine Maturaarbeit aus dem Fachbereich Religion und Ethik veröffentlicht. Der Luzerner db-Verlag hat ein Büchlein produziert und in einer ersten Auflage von 600 Exemplaren herausgegeben.

Regelmässiges Sporttraining
Trotz dem tragischen Unfall und seiner Behinderung treibt Matthias Lötscher wieder Sport. In Nottwil trainiert er regelmässig mit der Mannschaft Rollstuhlrugby. Und da geht es ähnlich rau zu und her wie im echten Rugby. In speziellen Rollstühlen, den Rugbystühlen, fahren die Spieler ineinander hinein, blocken einander und spielen sich den Ball zu. Ziel ist es sogenannte Goals zu machen. Aussdem möchte Matthias lernen, Ski zu fahren.
Guy Studer, in: Luzerner Woche, 5.12.2007
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Geht unter die Haut
Der 18-jährige Entlebucher Spitzensportler Matthias Lötscher verunfallt bei einem Skisprung, wird Tetraplegiker und ist fortan auf den Rollstuhl angewiesen. In der vorliegenden Schrift schreibt er höchst eindrücklich, welche physischen und psychischen Folgen diese «Lebenswende» mit sich brachte. Seine sehr persönlichen Schilderungen gehen unter die Haut. Das Werk spricht vor allem – aber nicht nur! – jüngere Leser und Leserinnen an. Matthias Lötscher erhielt 2007 für die vorliegende Publikation den «Luzerner Religionspreis» für die beste Maturaarbeit aus dem Fachbereich Religion und Ethik.
Walter Ludin, Journalist, November 2008
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«Meine Lebenssituation ist (in)komplett»
Matthias Lötscher, Schüler der Kantonsschule Schüpfheim, erhält für seine Maturarbeit mit dem Titel "(In)komplett" den Religionspreis 2007 für die beste Maturaarbeit im Fach Religion / Ethik. Der mit 500 Franken dotierte Preis wird dieses Jahr zum zweiten Mal von der Theologischen Fakultät der Universität Luzern in Zusammenarbeit mit dem Religionswissenschaftlichen Seminar der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät verliehen.

Matthias Lötscher beschreibt und reflektiert in seiner Maturaarbeit eine Lebenswende, die er als 17jähriger erfahren hat: Ein schwerer Sportunfall führte zu einer inkompletten Tetraplegie. Im Klartext bedeutete das für ihn, dass er sich fortan auf ein Leben im Rollstuhl einstellen musste. Was das konkret bedeutet, beschreibt der gebürtige Marbacher auf eindrückliche Weise in seiner Maturaarbeit.
«Die Arbeit zeichnet sich durch hohe persönliche Kompetenz und Reife aus», heisst es in der Begründung der dreiköpfigen Jury: «Aus der Sicht der Universität sind sowohl sein konstruktives Denkvermögen wie die Fähigkeit der reflektierenden Bewältigung von Grundfragen des Lebens auszuzeichnen.»
Als Zeugnis schonungsloser Offenheit und Selbsterkenntnis bei gleichzeitigem Verzicht auf einen emotionalisierenden Zugang seien dem Text "viele jugendliche und erwachsene Leserinnen und Leser zu wünschen", betont die Jury in ihrer Würdigung.

Verhängnisvoller letzter Sprung
Der 17. Juni 2005 ist für Matthias Lötscher aus Marbach ein Datum, das sich unvergesslich in seinem Gedächtnis eingeprägt hat und gewissermassen mit dem eines "zweiten Geburtstages" vergleichbar ist. Denn damals vollzog sich ein Ereignis, das für seinen künftigen Lebensweg einschneidende Folgen haben sollte. Auch heute noch kann er den verhängnisvollen Sturz auf der Hill-Size-100-Meter-Schanze in Kandersteg in allen Details erzählen, als ob es gerade gestern gewesen wäre:
"Mein Trainer gibt mir per Funk die Anweisung, den letzten Sprung zu machen. Ich bin mir nicht sicher, denn mein Knie schmerzt. Wie ich so bin, entscheide ich mich für den letzten Sprung und gegen das Knie. Auf dem Lift sitzend und fragend, was beim letzten Sprung besser zu machen ist, gebe ich mir die Antwort, dass der ganze Sprung aggressiver sein sollte."

«Es ist nichts mehr möglich»
Doch was dann geschieht, hätte sich der junge Spitzensportler nicht einmal im schlimmsten Albtraum denken können: "Mit einem Kopf frei von Gedanken rase ich gegen den Schanzentisch. Der Wind bläst ins Gesicht. Der Puls steigt. Ich springe ab." Doch dann dreht sich der eine Ski aus und Luft drückt ihn nach unten. Matthias Lötscher sieht – Kopf voran stürzend – nur noch den Boden entgegen kommen:
«Ich pralle mit dem Kopf auf und mein Körper wird steif. Durch die Wucht des Aufpralls fliege ich wieder in die Luft. Ich versuche mich zu wehren, doch nichts geht... Wie eine Puppe fliege ich herum, denke ich mir. Warum kann ich mich von aussen sehen? Bin ich nicht mehr da?» Ein Freund kommt gerannt, doch da Matthias Lötscher keine Schmerzen hat, versucht er aufzustehen. «In diesem Moment bemerke ich, dass nichts mehr möglich ist. Ich kann meine Beine nicht mehr bewegen, ich kann sie nicht mehr fühlen.»

Warum gerade ich?
Wenig später wird der junge Sportler, der bislang als einer der «Hoffnungsträger» der Schweizer Nordisch-Kombinierer-Mannschaft gehandelt wurde, mit dem Rega-Helikopter ins Berner Inselspital geflogen. Später folgt die Überweisung ins Paraplegikerzentrum Nottwil. Die Diagnose lautet: «Inkomplette Tetraplegie C5/C6.»
Matthias Lötscher ist erschüttert: «Ich kann das fast nicht glauben. Bin völlig erstarrt. Niedergeschmettert von diesen Worten. Ich fühle mich hilflos und möchte alleine sein. Möchte mich von der Aussenwelt abschirmen und weinen. Einfach weinen.»
Nun beginnt – während eines acht Monate dauernden Aufenthaltes im Paraplegikerzentrum – ein langer und schwieriger Weg der Verarbeitung und der Neuorientierung, den Matthias Lötscher in seiner Maturaarbeit in minutiöser Beobachtung und erstaunlichem Reflexionsvermögen beschreibt. Fragen auf Fragen beschäftigen den jungen Gymnasiasten: Warum gerade ich? Werde ich ein Leben lang auf den Rollstuhl angewiesen sein? Wie steht es um meine Pläne für die Zukunft, die von einer Sekunde auf die andere zunichte gemacht wurden?

«Ich will kein Mitleid erregen»
Doch Matthias Lötscher will nicht grübeln, sondern vorwärts schauen und aus seiner neuen Situation das Beste machen: «Ich möchte kein Mitleid erregen, sondern meinen Mitmenschen klar machen, dass auch ein verändertes, vielleicht auch umständlicheres Leben lebenswert ist und auch Spass machen kann.»
Matthias Lötscher hat sich grosse Ziele gesetzt: Er möchte in der Rehabilitation so viele Fortschritte machen wie möglich, um zu Hause nicht ständig auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Zudem ist es für ihn klar, dass er nach seiner Heimkehr das Maturajahr an der Kantonsschule Schüpfheim unbedingt in seiner angestammten Schulklasse beginnen möchte. Seinem grossen Ehrgeiz ist es zu verdanken, dass er sich in seinen Zielen selber übertrifft und sogar vorzeitig aus dem Paraplegikerzentrum Nottwil entlassen werden kann.

Der Glaube als Kraftquelle
Den Umstand, dass er seine Erlebnisse in einer Maturaarbeit beschreiben und reflektieren konnte, wertet Matthias Lötscher rückblickend als grossen Glücksfall: «Durch diese Maturaarbeit habe ich sehr viel gelernt und vor allem auch Gelegenheit bekommen, meinen Schicksalsschlag in einem intensiven Prozess zu verarbeiten.»
Auch sein Glaube habe ihm geholfen, seine neue Lebenssituation besser meistern zu können: «Es war für mich von Anfang an klar, dass ich nicht Gott für diesen verhängnisvollen Sturz verantwortlich machen kann. Aber ich spürte, dass es eine höhere Instanz gibt, die mir Kraft gibt, um aus meiner neuen '(in)kompletten' Lebenssituation doch noch das Beste herausholen zu können.»
Presseagentur Kipa, Ausgabe vom 21.6.2007
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db